Stone Brixia Man

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 11. Juli 2018 Geschrieben von Schaaf

Ende letzten Jahres habe ich mich mal wieder vergeblich für einen Startplatz beim Norseman beworben. Also musste ein Plan B her und nach Rücksprache mit meinem Support Team habe ich mich für den StoneBrixiaMan angemeldet. Ein kleiner Triathlon vom Idro-See zum Passo Paradiso und ein paar Höhenmetern dazwischen. Und dieses Wochenende war es soweit.

Vorbereitungen

Schwimmstrecke Sicherheitsunterweisung Wechselzone

Der Triathlon ist am Samstag, Start um 4:00. Deshalb bin ich schon am Donnerstag zusammen mit meinem Supportteam nach Sulzano gefahren. Dort hatten wir eine kleine Ferienwohnung mit Wackelbett.

Nach der Ankunft habe ich mir zur Feier des Tages erstmal ein echt italienisches Gelati gegönnt und schon mal die Schwimmstrecke besichtigt. Sieht ganz schön lang aus vom gegenüberliegenden Ufer zurück nach Sulzano.

Freitag war gefüllt mit Vorbereitungen: Startunterlagen abholen, Sicherheitseinweisung durch Grisu (wir müssen mit so einer aufblasbaren Boje schwimmen), Velo abgeben und schliesslich noch zur Wettkampfbesprechung. Dort haben sie mir noch von den neuesten Streckenänderungen erzählt: In Edolo ist Gedenkanlass und deshalb müssen wir die alte, steile Strasse Richtung Aprica fahren und am Mortirolo Pass sind Bike-Days und deshalb keine Autos erlaubt. Auch gut.

Ach ja, in den Startunterlagen hat es eine Packung Hanfsamen. Was soll ich denn damit machen ausser einpflanzen?

Renntag

Velo ist noch da Fahrt zum Start Schwimmausstieg Supportteam
und Verpflegung

Kurz vor 2 Uhr am Morgen klingelt der Wecker. Um 3:15 fährt das Boot zum Start ab und vorher muss ich noch etwas essen und meine Vorräte am Velo auffüllen. Das Supportteam schläft noch länger - sie haben ja Zeit zum Frühstücken während ich Boot fahre und schwimme. Meine Supporter müssen am Abend noch mit mir vom Passo Tonale zum Passo Paradiso laufen, sollten also ausgeruht sein. Nicht ganz pünktlich fährt das Boot zur anderen Seeseite und dort geht es ins Wasser. Schon lustig diese Ansammlung von beleuchteten Bojen. Geschwommen wird wieder im Dunkeln, aber die Orientierung ist deutlich einfacher als in Livigno. Am Schwimmausstieg haben sie einen grossen Scheinwerfer montiert und da muss man einfach drauf zuschwimmen. Störender ist der relativ starke Seitenwind, der das Schwimmen doch eine schaukelige Angelegenheit werden lässt. Meine Uhr meint am Ende auch, dass ich 4500m geschwommen bin und nicht die offiziellen 3800m. Kein Wunder, dass ich keine neue Schwimmbestzeit aufgestellt habe. Aber hauptsache überlebt, denn Wasser ist gar nicht gut für das Fell.

Die Velostrecke geht anfangs flach am See entlang und der Seitenwind vom Schwimmen ist jetzt Gegenwind. Das macht den Italienern aber gar nichts aus, denn die Definition von Windschattenverbot ist in Italien wohl anders. Ich war leider auf der englischen Wettkampfbesprechung und dort war die Aussage eigentlich klar. In Breno nach 43km treffe ich das erste mal auf mein Support-Team, die mit dem Auto auf der Schnellstrasse gefahren sind. Gels und Trinken auffüllen und Sonnenschutz auftragen - es sieht nach einem wolkenlosen wunderschönen Tag aus. Auch in Edolo nach 70km gibt es noch mal Gummibärchen. Es wird wahrscheinlich ein langer Tag und da muss ich soviel Energie wie möglich zu mir nehmen.

Von Edolo nach Monno gibt es eine schöne Abkürzung. Meine Supporter fahren 5km im Tal während ich über Trivigno und Passo Mortirolo 50km fahre. Dort oben ist es aber superschön und der kleine Umweg lohnt sich. In Edolo und Pento Legno kann ich nochmal nachtanken bevor es dann auf den Gavia Pass geht. Der ist oben soooo schmal, dass die Rennleitung keine Support-Autos dort oben haben will. Es gibt aber immer ein paar Leute, die sich nicht daran halten ...

Vom Gavia Pass geht es auf demselben Weg runter Richtung Wechselzone. Oben ist noch ein etwas längerer, unbeleuchteter Tunnel, den bin ich lieber etwas langsamer bergab gefahren. Aber auch so war ich von meiner Radzeit positiv überrascht und habe den unerwarteten Rückstand vom Schwimmen schon wieder reingefahren.

Alpine Laufstrecke Ziel in Sicht Endlich da Steinfeier

Unerwarteterweise bin ich als Fünter auf die Laufstrecke gestartet. Von der Wechselzone geht es gleich bergauf eine grosse Runde um Ponte di Legno. Die meisten Teilnehmer haben ihren persönlichen Supportläufer ab Start dabei. Ich habe dafür meinen Laufrucksack mit Trinken und Essen. Anfangs geht es ganz gut und ich laufe auf die zwei Teilnehmer vor mir auf. Allerdings ist es schon ganz schön warm und sonnig. Was auf dem Velo sehr angenehm war ist jetzt eher zu warm und das Fell habe ich bereits deaktiviert. Die steile Skipiste in der prallen Sonne rauf von Ponte di Legno zum Passo Tonale gibt mir dann den Rest und ich lege mehr und mehr Gehpausen ein. Am Passo Tonale muss man auch noch oberhalb des Passes eine extra Runde laufen - ganz schön frustierend wenn man unten das Supportauto und Kontrollzelt sieht, aber erstmal daran vorbeilaufen muss.

Am Passo Tonale treffe ich aber schliesslich mein Supportteam und wir wechseln auf den grossen Laufrucksack. Schliesslich muss meine ganze Pflichtausrüstung wie wasserdichtes Fell, zweiter Fellersatz, Licht (ich wollte eigentlich im Hellen ankommen), etc. reinpassen. Zum Glück trägt mein Support die Gummibärchen für mich und muntert mich auf. Ich fühle mich nämlich schon ganz schön fertig und vom Passo Tonale sind es noch über 800Hm ins Ziel. Mit ein paar Pausen bringen wir aber auch diese Höhenmeter in zwei Stunden hinter uns. So langsam, da könnte sogar Schnecke mitlaufen...

Wie gesagt, ich habe schon fast nicht mehr geglaubt, das Ziel zu erreichen - aber Wunder geschehen und zusammen mit meinem Support war ich noch vor der Tagesschau als Zehnter im Ziel. Hätte eigentlich gedacht, dass man mit einer Laufzeit von mehr als sechs Stunden mehr Plätze verliert.

Auf jeden Fall habe ich die nächsten Tage ausführlich mit meinem Supportteam den Finisher-Stein gefeiert.

Karte

Wahrscheinlich eh klar, aber

  • Violett ist Schwimmen
  • Rot ist Bike
  • Grün ist Run
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