Swedeman 2019

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 28. Juli 2019 Geschrieben von Schaaf

Letztes Jahr ist Dr. Kermit beim Swedeman gestartet, durfte aber leider nicht auf den Berg Åreskutan. Dieses Jahr haben die Organisatoren das Zeitlimit um eine Stunde nach hinten verschoben und das Rennen um einen Monat nach vorne. Also beste Voraussetzungen damit ich ein Daylight-Finish oben am Berg feiern kann. Allerdings hatte ich dieses Jahr schon wunderschöne Ferien in Neuseeland und nicht mehr so viel Ferientage übrig. Ist also alles etwas komprimierter als letztes Mal.

Fahrt nach Schweden

Es wird noch
geschraubt am Boot
Luxuskabine

Zusammen mit meiner Supportcrew geht es mit dem VW-Bus von Zürich lange nach Norden, nach Kiel und von dort mit der Fähre nach Oslo. Der Weg von Zürich ist soooo lang, dass wir am Rand vom Harz und kurz vor Kiel noch eine Übernachtung einlegen. Ich soll mich ja nich überanstrengen vor dem grossen Rennen.

Schifferlfahren ist mir generell etwas suspekt. Aber in Kiel haben sie noch an unserer Fähre geschraubt. Wenn das mal gutgeht! So ein riesen Klotz aus Stahl kann eigentlich gar nicht schwimmen meiner Meinung nach. Wider Erwarten war die Überfahrt dann aber doch recht entspannt, wir hatten uns aber auch eine Aussenkabine ohne Stockbetten gegönnt. Sonst gibt es immer das Drama wie alle die Leiter hoch- und wieder runterkommen. Und irgendwann in der Nacht muss garantiert wieder jemand auf Toilette.

Am Morgen kommen wir ganz entspannt in Oslo an, stehen auch fast ganz vorne auf der Fähre und sind sofort draussen - perfekt. Allerdings sind immer noch nicht in Schweden sondern in Norwegen.

Fahrt von Oslo nach Åre

Finstadåa

In der Mitte zwischen Oslo und Åre, in Tynset legen wir einen Zwischenstopp ein und übernachten noch zwei Nächte im Bus. Schliesslich muss ich nochmal meine Pfoten zum Laufen testen und mein Radmaterial. Torri hatte die Idee zum Finstadåa, einem See oberhalb Tynset zu fahren und dort eine Runde zu schwimmen. Allerdings hatte es dort sooooo viele Mücken, dass ich mich geweigert habe auf Torri zu warten. Also gleich wieder zurück nach Tynset und dort erstmal gemütlich einen Kaffee geniessen.

Von Tynset geht es schliesslich in einem halben Tag nach Åre in den Åre Holiday Club, das offizielle Race Hotel.

Swedeman

Ausblick von
Wechselzone T2
Verpfegungsposten auf
der Radstrecke
Neotest

Die Streckenführung hat sich nicht geändert gegenüber letztem Jahr. Geschwommen wird durch den Östernoren und Våmviken um grössten Wasserfall Schwedens, dem Tännforsen. Anschliessend geht es mit dem Velo einen schnelle Runde Richtung Osten und zurück. Bremsen kann man eigentlich abmontieren. Die letzten Kilometer geht es bergauf nach Åre Björnen - die Menschheit ist sich uneins, ob das flach oder überhängend ist. Also bin ich es zum Test nochmal gefahren.

Gelaufen wird dann von Åre Björnen über den Lillskutan nach Fröå, weiter nach Husa und dort entweder eine flache Runde oder wenn man früh genug dran ist auf den Åreskutan Berg. Dr. Kermit hat mich schon gewarnt dass weite Teile der Laufstrecke aus Sumpf bestehen. Also Schuhe fest binden, damit sie nicht steckenbleiben wenn man mal einsinkt.

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Supportermütze

Ich habe das mal aufgezeichnet: Rot das Schwimmen, Orange das Radfahren und in Lila die Laufstrecke auf den Åreskutan.

Freitag holen wir die Startunterlagen ab und wollen uns noch im Swedeman-Shop mit Fanartikeln eindecken. Leider hat es die Lieferung nicht rechtzeitig geschafft und auch die Supporter-Shirts waren in der Lieferung. Als Ersatz - es darf immer nur ein Supporter in die Wechselzone - eine Mütze als Eintrittskarte. Allerdings ist es dieses Jahr über 20° warm und sonnig. Da ist Mütze leider etwas overdressed. Aber kann ja mal passieren wenn man in China bestellt.

Auch auf der Wettkampfbesprechung nichts Neues gegenüber letztem Jahr. Ausser dass es beim Schwimmen zwei vorgeschriebene Bojen gibt damit die Leute nicht wieder am Ufer lang laufen so wie im Vorjahr. Das senkt meine Schwimmperformance natürlich drastisch.

Also früh ins Bett gehen damit ich am Renntag ausgeruht zum Schwimmen komme. Auch wenn es im Juli in Åre eigentlich fast nicht dunkel wird.

Raceday

Tännforsen
Wasserfall
Bike Start

Morgens um drei Uhr klingelt der Wecker. Eigentlich müsste es noch dunkel sein, aber es scheint schon fast die Sonne. Noch kurz etwas frühstücken bevor es zum Bus geht der zum Schwimmstart fährt. Die Strasse wird immer kleiner, am Ende nur noch eine Gravel-Road bis schliesslich der Bus hält.

Das Schwimmen ist die ersten hundert Meter mehr ein Gehen. Der See ist nicht sonderlich tief, dafür aber umso schlammiger. Irgendwann muss ich dann aber doch mit ernsthaften Schwimmbewegungen anfangen. Zum Glück überholt mich in dem Augenblick jemand und ich kann mich an die Beine hängen, die mich bis zum Schwimmausstieg bringen. Erleichtert die Sache doch erheblich wenn jemand anders für einen die Orientierung übernimmt.

Vom Schwimmausstieg geht es erstmal 400m steil bergauf per Pfote bevor man zur Wechselzone kommt. Irgendwo muss der Wasserfall ja runterfallen. Meine Supporter haben schon alles hergerichtet und ich muss nur noch schnell aufs Fahrrad springen und schon geht es los. Anfangs schön bergab, dann wellig 205km um diverse Seen. Netterweise hält sich auch der Wind in Grenzen, so dass ich deutlich schneller als erwartet die Strecke hinter mich bringe und von meinem Supportteam freuding in der zweiten Wechselzone erwartet werden.

T2A in Husa Gipfelanstieg zum
Åreskutan
Ziellinie Moorbad

Die Laufstrecke läuft weitestgehend auf Trails und deshalb muss ich mit Rucksack laufen um mein ganzes vorgeschriebenes Equipment mitzunehmen. Die haben mein Fell auch nicht als wärmendes Oberteil akzeptiert, so dass ich ein Zweitfell, Drittfell und wasserdichtes Fell mitschleppen muss. Etwas übertrieben aus meiner Sicht, aber ich kann es auch nicht ändern. So langsam merke ich aber die Anstrengungen des heutigen Tages und das Rennen ist nicht mehr so wirklich schnell. Vor allen Dingen, da es doch ziemlich sumpfig ist und ich darauf achten muss mein Erstfell nicht zu stark zu strapazieren. Wie so etwas ausgehen kann sieht man an den Menschen die alle aussehen wie nach einem ausführlichen Moorbad.

Nach guten 30km in Husa fällt die Entscheidung ob Berg oder nicht. Natürlich bin ich ganz gemütlich im Zeitlimit und so darf mich der vorgeschriebene Supporter, Dr. Kermit auf den Berg begleiten. Die Supportermütze muss er netterweise nicht mitnehmen. Der letzte Anstieg ist nochmal richtig anstrengend. Kein gemütlicher Wanderweg sondern richtig felsig mit hohen Stufen und zwischendrin sogar Schnee. Und das wo ich langsam immer müder werde. Aber auch das schaffen wir gemeinsam und kurz vor 19 Uhr überschreite ich die imaginäre Ziellinie. Eine reale Linie gibt es nämlich gar nicht. Oben schüttelt mir der Race-Director die Pfote und damit bin ich wahrscheinlich angekommen. Zumindest habe ich eine offizielle Zeit von 13:31:13, was der 14. Platz ist. Auf dem Trail haben mich also noch sechs Leute überholt, aber mit meinen kurzen Pfoten kann ich da nicht mithalten.

Runter geht es gemütlich per Gondel und ein kurzes Fussweg zurück ins Bett. Dr. Kermit muss nochmal kurz Bus fahren - der fahrbare Untersatz steht leider noch auf der anderen Seite des Berges und will geholt werden. Aber dafür bin ich echt zu müde und falle gleich ins Bett.

Ferien

Finisherfoto Trollhütte Hügelfoto

Am Tag nach dem Rennen ist erstmal die T-Shirt Zeremonie angesagt mit offiziellem Finisherfoto. Dort komme ich zwischen den ganzen riesen Menschen nicht so gut raus. Ich habe also mein persönliches Finisherfoto gemacht. Natürlich mit gelbem Finishershirt - ich war ja ganz oben. Danach war ich erstmal so erschöpft, dass ich mich erstmal wieder zur Ruhe gelegt habe.

Am nächsten Tag sind wir aber weitergefahren nach Oppdal am Rande des Dovrefjell. Zunächst ging es zusammen mit Torri und Dr. Kermit nur auf einen 800Hm Aussichtshügel. Zu mehr war ich noch nicht in der Lage. Aber von dort konnte man wunderschön ins Dovrefjell schauen und auf unser morgiges Ziel, den Snøhetta.

Snøhetta Gipfelfoto Camping
Elverum

Der Snøhetta ist der höchste Gipfel Norwegens ausserhalb Jotunheimens - dort war ich als ich Dr. Kermit beim Norseman supported habe. Auf den Snøhetta geht es am einfachsten von Snøheim. Dorthin kommt man aber nur mit dem Bus und der fährt nur fünf mal am Tag - oder öfter wenn viel Andrang ist. Also sind wir ganz früh aufgestanden in Oppdal und nach Hjerkinn gefahren wo der Bus startet. Wir waren schon kurz nach 9 Uhr dort obwohl der Bus erst um 9:45 fährt. War aber auch gut so, weil schon eine riesen Schlange am Bus (oder eher noch nicht Bus) steht. Wir haben aber Glück und kommen gerade noch so mit - ansonsten hätten wir fast eine Stunde warten müssen, denn solange braucht der Bus hin- und zurück.

Von Snøheim sind es gut 800Hm und 6km auf den Snøhetta, eigentlich nichts weltbewegendes. Allerdings ist der Hügel im oberen Teil ein einziger Schutthaufen und der Weg geht von Felsblock zu Felsblock. Quasi das genaue Gegenteil vom Swedeman der von Sumpfloch zu Sumpfloch geht. Nach nicht ganz zwei Stunden sind wir aber schliesslich doch oben und können die Aussicht geniessen. Nach ausführlicher Gipfelrast müssen wir uns bergab aber sputen. Um 14:30 geht der Bus zurück und der nächste erst um 17:00. Netterweise ist oben ein Schneefeld so dass die ersten 200Hm in rasender Geschwindigkeit bergab gehen. Meine Pfoten rutschen einfach perfekt und Dr. Kermit setzt sich einfach auf seinen Hintern und rutscht runter. Hauptsache wir haben den Bus noch erwischt und auf der Rückfahrt sogar noch ein paar der eiszeitlichen Moschusrinder gesehen. Kannte ich aber schon von meinem letzten Swedeman Ferien.

Nachdem wir glücklicherweise den frühen Bus erwischt haben müssen wir erstmal beschliessen, wo wir die letzten beiden Nächte in Norwegen verbringen. Torri schlägt Elverum vor - von dort sind es nicht ganz zwei Stunden zur Fähre und es gibt einen Fluss direkt am Campingplatz so dass Torri noch eine oder zwei Runden Schwimmen kann. Ist eine fast perfekte Wahl - Platz direkt am Fluss mit super Aussicht und Abendsonne. Nur der Fluss ist mit 18.5°C leider etwas zur warm für Torri. Die schottischen Lochs haben normalerweise nur 12-13°C und so stöhnt Torri über Verbrennungen nach einem kurzen Bad. Trotz intensiver Untersuchung kann Dr. Kermit diese Eigendiagnose von Torri aber nicht bestätigen.

Ob mit oder ohne Verbrennungen, wir geniessen den wunderschönen Abend.

Achtung Kasimir Sonnenuntergang Ankunft in Kiel

Am letzten ganzen Ferientag sind wir noch eine Abschiedsrunde um Elverum mit dem Velo gefahren. Ist immer noch ganz schön anstrengend nach dem Rennen. Ich glaube, daheim benötige ich noch ein paar Tage Erholung. War aber trotzdem schön nochmal die Wälder und Hügel Norwegens zu geniessen, auch wenn es im Moment mit fast 30°C ganz schön warm ist.

Am Abend hatten wir dann zum Abschied noch einen wunderschönen Sonnenuntergang direkt ab Schlafsack. Da muss man sich noch nicht mal bewegen um die Schönheit zu geniessen. Per Fähre geht es wieder zurück von Oslo nach Kiel. Von dort ist es ja nur noch ein kurzer Katzensprung durch ganz Deutschland bis nach Zürich. Netterweise wollte die Mehrheit der Autofahrer aber nach Norden und hat uns nicht gestört und so sind wir noch am selben Tag in Zürich angekommen. Dort ist es übrigens um zehn Uhr Abends schon dunkel, bin ich gar nicht mehr gewohnt aus Norwegen.