Rhätia MTB Cross

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 30. August 2020 Geschrieben von Schaaf

Endlich habe ich Ferien und da ich auf die höchsten Gipfel der Alpen mit dem MTB fahren will habe ich beim Gipfelstürmer Lukas Stöckli eine MTB Tour durch Graubünden gebucht. Er nennt das Rhätia Cross, obwohl die römische Provinz Rhätia (es gibt da auch noch den Kanton Rätien...) historisch vom Tessin bis zum Schwarzwald und im Osten bis Tirol ging. So weit sind wir dann doch nicht gefahren. Auch mit den höchsten Gipfeln der Alpen wurde das nichts: Ich habe erst später festgestellt, dass die höchsten Gipfel der Alpen gar nicht im alten Rhätia liegen sondern in Vallis Poenina oder sogar in Savoyen. Aber auch ohne die höchsten Gipfel der Alpen war das ein Feuerwerk von Trails - bergauf und bergab - und hat riesig Spass gemacht. Nur Dr. Kermit, mein Hausmeteorologe hat ab und zu dazwischengefunkt.

Arosa

Spiegelsee Furcletta

Die ganze Woche war es richtig heiss. Pünktlich zum Start am Samstag in Tiefencastel ist ein Wetterumschwung angesagt. Dr. Kermit meinte 13:30 kommt das Gewitter und wir müssen noch nach Arosa, netterweise ohne grosses Gepäck. Aber mein Fell habe ich sowieso immer dabei. Um Zeit zu sparen (nur falls es so etwas wie eine Zeitsparkasse gibt), geht es erstmal auf der Strasse bis Alvaneu und dort dann auf dem Forstweg zur Furcletta, dem Übergang nach Arosa.

Zunächst ist es ein gemütlicher Forstweg. Aber der Alp de la Creusch geht es die letzten 300Hm auf Trail bergauf, leider nicht immer ganz fahrbar für mich. Oben auf dem Übergang Furcletta dichter Nebel. Es donnert schon ganz leicht und wir sollten besser vor dem Gewitter unten sein. Der Weg ist aber klar, einfach den traumhaften Trail durch den Welschtobel hinunter, netterweise alles fahrbar und erst kurz vor Arosa kommt die Dusche von oben. Gar nicht gut für mein Fell und im Hotel stelle ich mich erstmal unter den Föhn damit das Fell wieder optimal sitzt.

Arosa Weisshorn Schaftobel

Eigentlich sollte sich am folgenden Tag das schlechte Wetter bereits verzogen haben. Aber die Wolken hängen tief um nicht zu sagen dass man gar nichts sieht. Zunächst geht es auf kleinen Umwegen aufs Arosa Weisshorn. Leider bricht mir auf dem nahezu überhängenden Anstieg eine Speiche am Hinterrad und ich befürchte schon, dass ich in Panik zum Velomech muss. Aber bei meinem geringen Gewicht kann ich problemlos mit einer Speiche weniger fahren. Hat auch noch den nächsten Tag gehalten bevor es in Davos zum Velomech ging.

Vom Weisshorn wollten wir zum Hörnli und in vollem Vertrauen fahre ich unserem Guide hinterher. Oops, leider haben wir uns verfahren und landen wieder auf dem Aufstiegsweg. Aber eigentlich noch viel besser. So fahren wir Trails runter zur Hörnlibahn und mit dem Hörnli-Express nach oben. Viel viel schneller als ich jemals hätte trampeln können und noch dazu mehr Tiefenmeter. Runter nach Lenzerheide auf Trails und wieder mit dem Bähnli aufs Parpaner Rothorn. Ich könnte mich gewöhnen ans schnelle Hochfahren. Auf der Abfahrt durch den Schaftobel nach Arosa reissen auch endlich die Wolken auf und man sieht etwas von der schönen Umgebung.

Davos

Medergen Grüensee am
Durannapass

Am Montag ging es von Arosa nach Davos über Durannapass und Parsennfurgga, nicht unbedingt der direkteste Weg. Von Arosa auf schönen kleinen Trails und später über das Walserdorf Medergen nach Langwies. Die Beiz in Strassberg hat leider Montag Ruhetag so dass wir uns am Dorfladen verpflegen müssen für den Anstieg zum Durannapass. Dort ist allerdings erst der gemütliche Teil geschafft und es geht auf einem steilen Trail in Richtung Parsennfurgga. Lohnt sich aber für die folgende Abfahrt nach Klosters zunächst auf Wanderwegen, später auf dem Gotschna-Trail. Der finale Anstieg nach Davos war dann für mich als kleines Schaaf aber ganz schön anstrengend. Immerhin waren wir rechtzeitig dort, dass ich meine kaputte Speiche reparieren lassen konnte.

Jakobshorntrail Heidis Bergweg Ducanfurgga

Am Dienstag endlich richtig schönes Wetter. Am Morgen auf dem Weg zur Jakobshornbahn noch etwas frisch, aber sonnig. Scheint so als hätte Dr. Kermit langsam erbarmen mit uns. Vom Jakobshorn - wie gesagt, ich könnte mich ans Bahnfahren gewöhnen - geht es erstmal einen Trail bergab ins Sertigtal und dort den Sertigtrail hoch. Normalerweise fährt man den runter aber wir müssen nunmal in die andere Richtung. Mit gefühlten 110% Trailanteil geht es weiter bis Filisur, allerdings immer hoch und runter so dass es doch recht lange dauert und auch recht anstrengend ist.

Der Kreis schliesst sich dann über die Ducanfurgga. Von Filisur zunächst eine steile Forststrasse bergauf und die letzten 400Hm fahrend, schiebend und tragend auf die Ducanfurgga. Leider ist mir irgendwo beim Bike-Tragen die Werkzeugtasche vom Bike gefallen. Also ab jetzt keine Defekte mehr. Auf der Ducanfurgga war es doch schon recht spät und im schönsten Abendlicht konnten wir den Trail zurück ins Sertigtal unter die Stollen nehmen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit ging es dann von Sertig Dörfli einfach auf der Asphaltstrasse zurück nach Davos und direkt in die Pizzeria - die auf den 2700Hm verbratene Energie muss ich bis zum nächsten Tag wieder auffüllen für die Etappe ins Oberengadin.

Bever

Dürrboden Piz Kesch Lai da Ravais-ch Blumen giessen

Der Plan für den Übergang Davos nach Bever war über Scalettapass ins Val Funtauna anschliessend über Sella da Ravais-ch nach Chants und weiter runter nach Bergün und von dort via Albulapass nach Bever mit der Möglichkeit beim Albula über Chamanna d'Es-Cha zu erweitern. Netterweise spielte das Wetter mit und am Morgen geht es bei schönstem Sonnenschein aber kühl rauf zum Scalettapass. Nach der Abfahrt steigt das Val Funtauna an und man hat immer wieder einen wunderschönen Blick auf den Piz Kesch. Nun geht es aber nicht zur Keschhütte sondern rechts zum Lai da Ravais-ch. Von dort geht ein wunderschöner, für mich fast vollständig fahrbarer Trail bis nach Chants.

Leider ist bei Chants Schluss mit Trail und abgesehen von einem kurzen Stück geht es bis Bergün auf der Asphaltstrasse bergab und anschliessend den Albulapass hoch. Das Albula Hospiz oben am Pass würde ich besser meiden, die sind recht unfreundlich um es ganz nett auszudrücken.

Netterweise haben sie vom Pass einen neuen Biketrail runter ins Oberengadin gebaut - sehr innovativ Albula Trail genannt. Mein Vorderreifen hat auf einer der Abfahrten an der Seite einen Schnitt bekommen und irgendwie will die Dichtmilch ihn nicht so richtig dichten. Also lieber den Alubatrail direkt nach unten. Da der Trail auf halber Höhe aufhört hatte noch jemand die Idee die Via Engadina nach Bever zu fahren und nicht ins Tal. Keine so gute Idee, da man doch einen nicht unerheblichen Teil tragen muss bis ich mich in der Bever Lodge entspannen konnte. Kann ich nur empfehlen - schöne Zimmer und richtig gutes Essen. Es gibt auch Nachschlag für hungrige Schafe, waren ja schon wieder 2600Hm heute.

Morteratsch Lej Nair Lago Bianco

Im Oberengadin darf natürlich ein Ausflug ins Puschlav nicht fehlen. Wunderschöne Trails und man kann mit der Rhätischen Bahn ganz gemütlich wieder zurückfahren. So langsam gewöhne ich mich an das Bahnfahren statt selber fahren. Die Tour ist auch gemütlich, so dass ich Reto den Graubündener Steinbock mitnehmen kann. Er war schon ganz beleidigt, weil normalerweise er die Touren in seiner Heimat Graubünden führen darf. Aber Luki macht das ganz hervorragend und kennt wohl mehr Trails als Reto habe ich das Gefühl. Von Morteratsch geht es rauf zum Berninapass und anschliessend auf Trails bergab durch Val Laguné und Val Poschiavo nach Poschiavo.

Meist ein gut fahrbarer Wanderweg, zwischendrin ist der Trail aber eine alte Römerstrasse mit diesen grossen Kieseln. Da wird man ganz schön durchgeschüttelt. Die armen Römer, die hatten wahrscheinlich noch keine Bikes mit Federung. Auf dem Weg nach unten hat auch mein aufgeschlitzter Vorderreifen immer mehr Luft gelassen. Nachdem er über Nacht dicht war hatte ich gehofft dass er hält. So musste ich in Poschiavo in meinen schönen Tubeless-Reifen einen Schlauch einziehen während die anderen ihr Mittagessen geniessen konnten. Und diese Dichtmilch ist auch gar nicht gut für das Fell.

Val Bever Suvretta Pass Abfahrt im Nebel

Apropos gut fürs Fell: Am Vortag noch schönster Sonnenschein wurde das Wetter rapide schlechter. Dr. Kermit sein alter TI-Taschenrechner war wohl etwas überfordert - er hat ausgerechnet, dass irgendwann zwischen 10 Uhr und 13 Uhr der Regen kommen soll. Das ist nicht wirklich Schweizer Präzision diese Vorhersage. Von Bever durchs Val Bever zum Pass Suvretta kann man aber auch jederzeit umdrehen wenn es ganz schlimm wird. Bis zum Pass sind wir noch trocken gekommen, dann aber öffnete der Himmel seine Schleusen und wir haben in der Alpinahütte den Regen abgewartet bevor es wieder über den Pass Suvretta zurück ging. Ganz trocken bin ich nicht nach unten gekommen, aber die Bever Lodge hat sowohl einen Föhn fürs Fell als auch zum Aufwwärmen einen schönen Wellnessbereich der bei Schlechtwetter netterweise früher öffnet. Nur die nassen Bike-Schuhe sind olfaktorisch nicht so begeisternd. Na ja, dürfen sie eben nicht im Zimmer übernachten.

Am letzten Tag war eigentlich angedacht von Bever zurück nach Tiefencastel zu fahren. Dr. Kermit hat allerdings ganz viel Regen und Gewitter prophezeit und auch der offizielle Wetterdienst der Schweiz hat eine Regen-Unwetterwarnung der höchsten Stufe ausgegeben. Da will ich lieber nicht noch mal ein nasses Fell riskieren. Zum Glück sind wir mit der Bahn nach Tiefencastel gefahren so dass wir von Bever ohne zusätzlichen Umweg gemütlich mit der Bahn nach Hause fahren können.

Trotz des teilweise durchwachsenem Wetter insgesamt eine geniale Woche auf dem MTB mit anstrengenden Auffahrten und schönen Trails bergab.

Karte

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